Nach Entführungsalarm über Saudi-Arabien: Messerangriff im Cockpit, Israel prüft Terrorverdacht

Nach Entführungsalarm über Saudi-Arabien: Messerangriff im Cockpit, Israel prüft Terrorverdacht


Ein Flydubai-Flug mit mehr als 100 Israelis an Bord stürzte plötzlich rund 4.000 Meter ab. Nach neuen israelischen Erkenntnissen soll einer der Piloten seinen Kollegen mit einem Messer angegriffen und versucht haben, die Maschine unter seine Kontrolle zu bringen. Israel untersucht inzwischen einen möglichen Terroranschlag.

Aus dem zunächst rätselhaften Notfall auf Flydubai-Flug FZ1073 ist ein wesentlich ernsterer Sicherheitsfall geworden. Israelische Ermittler gehen inzwischen der Frage nach, ob einer der Piloten versucht hat, die Boeing 737 auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv gezielt zum Absturz zu bringen oder zu entführen.

Nach Angaben des israelischen Senders N12 soll der Co-Pilot während des Fluges den verantwortlichen Piloten mehrfach mit einem Messer angegriffen haben. Die Maschine verlor daraufhin dramatisch an Höhe. Ein israelischer Regierungsvertreter sprach von einer Situation, in der eine Katastrophe nur knapp verhindert worden sei.

Der Flug war am Mittwochmorgen von Dubai zum Flughafen Ben Gurion unterwegs. An Bord befanden sich mehr als 100 Israelis, nach anderen Berichten rund 150 Passagiere insgesamt.

Zunächst sendete die Maschine den internationalen Notfallcode 7700. Wenige Minuten später wechselte der Transponder auf 7500. Dieser Code signalisiert eine mögliche unrechtmäßige Einflussnahme auf das Flugzeug, insbesondere eine Entführung.

Was die israelischen Sicherheitsbehörden zunächst nur befürchteten, erscheint nach den inzwischen bekannt gewordenen Informationen erheblich konkreter.

Nach Darstellung von N12 soll der Co-Pilot versucht haben, die Kontrolle über die Maschine zu übernehmen. Einer der israelischen Beamten, die mit der Untersuchung befasst sind, verglich das befürchtete Szenario mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Noch ist allerdings nicht abschließend geklärt, welches Ziel der Angreifer tatsächlich verfolgte.

Die Post berichtet unter Berufung auf einen israelischen Regierungsvertreter ebenfalls von einem versuchten gewaltsamen Zugriff auf das Flugzeug. Dabei sei einer der Piloten mit einem Messer verletzt worden. Die Behörden untersuchten, ob der Täter die Maschine nach Israel entführen, abstürzen lassen oder für einen Anschlag verwenden wollte. (mako)

Zusätzliche Piloten verhinderten offenbar die Katastrophe

Eine außergewöhnliche Besonderheit des Fluges könnte vielen Menschen das Leben gerettet haben.

Nach Angaben von N12 befanden sich neben der regulären Cockpitbesatzung weitere Piloten an Bord, die im Rahmen eines routinemäßigen Einsatzes als Passagiere mitflogen. Als die Situation eskalierte, gelang es Besatzungsmitgliedern und Passagieren demnach, in das Cockpit zu gelangen und den Angreifer zu überwältigen.

Die zusätzlichen Piloten sollen anschließend geholfen haben, das Flugzeug wieder unter Kontrolle zu bringen.

Zu diesem Zeitpunkt hatte die Maschine bereits rapide an Höhe verloren. Die Jerusalem Post berichtet unter Berufung auf einen israelischen Beamten von einem Höhenverlust von etwa 4.000 Metern. Reuters nennt anhand der verfügbaren Flugdaten einen Absturz um rund 14.000 Fuß innerhalb von weniger als 30 Sekunden. (Jerusalem Post)

Passagiere berichteten von Schreien und Blut an Bord. Die Mutter einer Passagierin sagte der Jerusalem Post, ihre Tochter habe ihr erzählt, ein Mann mit einem Messer habe einen Piloten zu Boden gebracht. Auch Bilder eines blutverschmierten Hemdes wurden aus der Maschine bekannt.

Die genauen Abläufe im Cockpit sind weiterhin Gegenstand der Ermittlungen. Insbesondere ist bislang nicht offiziell abschließend bestätigt, welcher der beiden regulären Piloten welche Rolle spielte. N12 bezeichnet den mutmaßlichen Angreifer ausdrücklich als Co-Piloten. Flydubai selbst hat die Einzelheiten des Messerangriffs bislang nicht öffentlich bestätigt.

Die Fluggesellschaft bestätigte lediglich einen Zwischenfall auf Flug FZ1073 und erklärte, die Maschine sei sicher im saudi-arabischen Tabuk gelandet. Alle Passagiere seien sicher und vollständig erfasst. Man arbeite mit den zuständigen Behörden zusammen.

Das Flugzeug landete am Prince Sultan bin Abdulaziz Airport in Tabuk im Nordwesten Saudi-Arabiens.

Israel behandelt den Fall inzwischen als möglichen Terroranschlag

Während des Zwischenfalls hatte Israel umfassende Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet.

Die israelische Luftwaffe ließ Kampfjets aufsteigen. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu führte dringende Beratungen mit hochrangigen Sicherheitsvertretern. Auch Verteidigungsminister Israel Katz und IDF-Generalstabschef Eyal Zamir wurden in die Lagebeurteilung einbezogen.

Der israelische Luftraum wurde zeitweise geschlossen.

Zusätzliche Unruhe entstand, als die Maschine nach Angaben von N12 gegen 9.30 Uhr für längere Minuten von zivilen Flugverfolgungssystemen verschwand. Zu diesem Zeitpunkt war in Israel noch völlig unklar, ob sich das Flugzeug tatsächlich in der Gewalt eines Entführers befand.

Gegen 10 Uhr landete FZ1073 schließlich sicher in Saudi-Arabien.

Mit den neuen Erkenntnissen hat sich auch die israelische Bewertung des Vorgangs verändert. N12 berichtet, dass der Fall inzwischen als möglicher Terroranschlag untersucht wird. Ein beteiligter israelischer Beamter erklärte, ein äußerst schweres Unglück sei verhindert worden.

Von einem abschließend nachgewiesenen Terroranschlag kann dennoch noch nicht gesprochen werden.

Israelische Ermittler prüfen weiterhin mehrere Möglichkeiten. Neben einem gezielten Anschlagsversuch wird auch untersucht, ob eine andere Ursache hinter dem Verhalten des mutmaßlichen Angreifers stehen könnte. Angaben zu seiner Herkunft und seinem möglichen Motiv sind bislang nicht abschließend bestätigt.

Gerade deshalb ist Zurückhaltung bei einzelnen Details notwendig. Dass es sich lediglich um einen gewöhnlichen Streit zwischen zwei Piloten gehandelt habe, wie es in den ersten Stunden teilweise dargestellt wurde, entspricht nach dem aktuellen Ermittlungsstand jedoch nicht mehr dem gesamten bekannten Sachverhalt.

Ein Messer wurde eingesetzt. Ein Pilot wurde verletzt. Die Maschine verlor massiv an Höhe. Passagiere und Besatzungsmitglieder mussten eingreifen. Israelische Behörden untersuchen inzwischen ausdrücklich die Möglichkeit eines Terroranschlags.

Das verändert die Dimension des Ereignisses grundlegend.

Saudi-Arabien wird erneut zum Zufluchtsort für Israelis

Hinzu kommt eine bemerkenswerte regionale Komponente.

Saudi-Arabien und Israel unterhalten weiterhin keine offiziellen diplomatischen Beziehungen. Dennoch landete ein Flugzeug mit zahlreichen israelischen Passagieren während eines möglichen Terrornotfalls auf saudischem Boden.

Die Maschine wurde dort nach der Landung von Sicherheitskräften abgesichert.

Bereits im September 2025 hatte ein Flydubai-Flug von Dubai nach Tel Aviv wegen eines medizinischen Notfalls außerplanmäßig in Saudi-Arabien landen müssen. Damals wurde ein erkrankter Israeli in Riad medizinisch behandelt.

Der heutige Fall besitzt jedoch eine andere Dimension. Diesmal musste Saudi-Arabien innerhalb kürzester Zeit ein Flugzeug aufnehmen, bei dem israelische Stellen zeitweise von einer möglichen Entführung ausgingen.

Flydubai kündigte an, eine Ersatzmaschine nach Saudi-Arabien zu schicken, um die Passagiere nach Israel zu bringen. Auch auf israelischer Seite wurde zwischenzeitlich geprüft, ein eigenes ziviles oder militärisches Flugzeug zur Rückholung zu entsenden.

Die Untersuchung des mutmaßlichen Angreifers dürfte nun entscheidend sein.

Sollte sich bestätigen, dass ein Pilot bewusst versucht hat, eine vollbesetzte Passagiermaschine zum Absturz zu bringen oder für einen Anschlag zu übernehmen, wäre aus dem vermeintlichen Streit im Cockpit tatsächlich ein vereitelter Terroranschlag geworden.

Fest steht bereits jetzt, dass FZ1073 nur knapp einer Situation entging, deren Folgen kaum abzusehen gewesen wären.

Und offenbar waren es ausgerechnet zusätzliche Piloten, Besatzungsmitglieder und Passagiere an Bord, die verhinderten, dass aus einem Entführungssignal eine Katastrophe wurde.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen