Ich habe diese Woche Urlaub, und so nutze ich die Gelegenheit, endlich mal wieder den Souk in unserer Nachbarstadt aufzusuchen. Wider Erwarten finde ich einen vernünftigen Parkplatz in Laufnähe, der nicht einmal etwas kostet, und wie erwartet ist der Souk proppenvoll. Die Leute drängen sich zwischen den Ständen, an denen Kleider, Schuhe, Spielzeug, Essen, Haushaltswaren, Gemüse, Tierbedarf, Früchte, kurz: alles, was das Herz begehrt, verkauft werden. (Offtopic: Dazu fällt mir gerade noch ein Lied von Peter Reber ein: Märit).

Wenn sich so viele Menschen auf engem Raum bewegen, kriegt man automatisch Gesprächsfetzen mit, ob man nun will oder nicht. Das ist manchmal amüsant, manchmal interessant und manchmal wird einem dabei ganz blümerant.

Plötzlich höre ich nämlich drei Frauen, die sich darüber unterhalten, dass ein Flugzeug entführt worden sei. Es seien 150 Israelis an Bord. Nein, 180. Vielleicht sei es auch ein Terroranschlag. Es klingt besorgniserregend und wie ein Déjà-vu, vor allem jetzt, so kurz nach dem 11. September und so kurz vor dem 7. Oktober…

Israelisch, wie ich inzwischen bin, mische ich mich ein: Ob sie mir bitte sagen könnten, worum es gehe? Sie können. Es sei wohl ein Flugzeug der Fluggesellschaft FlyDubai sei auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv gekidnappt worden. Man wisse noch nichts Genaues, aber es befänden sich viele Israelis an Bord.

Wenig später kommt es in den Nachrichten. Ein Flugzeug mit 174 Passagieren, darunter 166 Israelis, sei aus Dubai in Richtung Tel Aviv gestartet. Dann habe es plötzlich einen Notruf abgesetzt, der nur bei Flugzeugentführungen benutzt werde, diesen später jedoch wieder auf eine „normale“ Störung gesetzt. Es sei schließlich sicher in Saudi-Arabien notgelandet.

Die ganze Geschichte ist so abenteuerlich, dass sie aus einem Film stammen könnte.

Laut den letzten Meldungen habe sich der Copilot mit einem Messer auf den Piloten gestürzt und ihn schwer verletzt. Dieser konnte gerade noch die Tür zum Cockpit entriegeln, bevor er zu Boden fiel. Das Flugzeug ging in einen Sturzflug; es sank wohl innerhalb kürzester Zeit um mehrere tausend Meter. Wie beängstigend!

Doch der Copilot hatte seine Rechnung ohne die israelischen Passagiere gemacht. Diese stürmten gemeinsam mit Crewmitgliedern das Cockpit und überwältigten den Angreifer. Sie leisteten Erste Hilfe am Copiloten und retteten ihm dadurch wohl das Leben. Außerdem übernahmen zwei andere Piloten – ob sie zufällig an Bord oder Teil der Crew waren, ist unklar – das Flugzeug und landeten sicher auf dem Tabuk-Flughafen.

Der verletzte Pilot, ein indischer Staatsbürger namens Smit Machchhar, befindet sich in einem Krankenhaus. Er habe schwere Verletzungen erlitten und an Kopf und Händen geblutet, erzählt der israelische Zahnarzt Shota Musayev, der gemeinsam mit einigen anderen Passagieren den Verletzten am Leben hielt. Er habe noch aussagen können, dass der Copilot ihn angegriffen habe. Machchhars Zustand sei stabil, heißt es.

Inzwischen sind alle Passagiere des betroffenen Flugs sicher auf dem israelischen Ben Gurion-Flughafen gelandet. Sie wurden mit einem Flugzeug von FlyDubai transportiert, nachdem die Crew von den Geheimdiensten Mossad und Shin Bet überprüft und freigegeben worden war.

Es heißt, der Pilot stamme aus Oman. Bisher ist nicht bekannt, ob er das Flugzeug einfach „nur“ abstürzen lassen wollte oder ob er im Sinn hatte, es auf bewohntes Gebiet in Israel aufprallen zu lassen. Sicher ist: Wäre der Pilot nicht geistesgegenwärtig genug gewesen, die Tür zum Cockpit zu öffnen, hätte dieser Tag anders geendet. Hätten die israelischen Passagiere in den ersten Reihen nicht so mutig und rasch eingegriffen, wären jetzt mindestens 176 Menschen tot. Wären nicht „zufällig“ andere Piloten an Bord gewesen, wären jetzt mindestens 176 Menschen tot. Wären nicht „zufällig“ ein (Zahn-)Arzt und andere in Erster Hilfe ausgebildete Personen im Flugzeug gewesen, wäre der Copilot jetzt tot, seine Frau eine Witwe und seine Kinder Halbwaisen.

Kurz gesagt: Jetzt haben wir nicht nur ein Chanukka-Wunder (das Öl aus dem Krug, das eigentlich nur für einen Tag hätte reichen sollen, reichte für eine ganze Woche), sondern auch eines an Sukkot (so viele „Zufälle“!).

P. S. Während der Vorfall in Israel und in den Emiraten/in Saudi-Arabien als Terroranschlag benannt wird, sind die europäischen Medien (mal wieder) deutlich zurückhaltender…

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Anima Chutzpanit in der Schweiz geboren, machte eine Ausbildung zur Primarschullehrerin, erhielt das Übersetzerdiplom DOZ, trat zum Judentum über, heiratete und machte Aliyah (Einwanderung nach Israel). Sie lebt mit ihrem Ehemann, zwei Kindern und vielen Katzen in Südisrael. Sie betreibt den Blog Kinder, Katzen und Kakteen.

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