Noch einmal zum Thema Khazaren

  • Roland M. Horn

Das Reich der Chasaren im 9. Jahrhundert
CC BY-SA 3.0,
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Chasaren.jpg

Ich habe bereits in einem anderen Artikel und in meinen Büchern Blauer Stern auf weißem Grund – Die Wahrheit über Israel und Freimaurer im Weltraum darauf hingewiesen, dass die von modernen Antisemiten (“Antizionisten”) gerne vorgebrachte Behauptung, dass die Aschkenasim (“die Ostjuden”) vom Turkvolk der Khazaren in Asien abstammen und ihre Vorfahren nie das Gelobte Land gesehen hätten, falsch ist. (Diese Behauptung wird gerne vorgebracht, um zu “beweisen”, dass die Juden kein Anrecht auf einen Staat in Eretz Israel haben. Lesen Sie nachfolgend weitere Informationen zum Thema.

Ungefähre Ausdehnung des Partherreichs
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Parther_reich.jpg
public domain

Der Autor und Forscher Steven M. Collins stellt fest, dass zahlreiche Juden im Partherreich lebten und viele von ihnen nach dem Fall dieses Reichs durch die Kaukasischen Berge Richtung Europa und ins Territorium nördlich des Schwarzen Meers wanderten. Dabei kamen sie auch durch das Reich der Khazaren. Man muss dazu sagen, dass Collins explizit zwischen “Juden” und “Israeliten” unterscheidet. Das ursprüngliche geeinte Reich Israel zerfiel damals in zwei Reiche: das Nordreich – oder “Haus Israel” – und das Südreich (Haus Juda). Der moderne Staat Israel wird von Juden bewohnt; die Israeliten des Nordreichs gelten als verschollen. Collins bezweifelt in seinem Artikel The Khazars and the Modern Jews, dass die Khazaren von vornherein alle Nichtjuden waren, da sich hier auch Flüchtlinge aus Parthien auf ihrem Weg niedergelassen haben müssten – und diese stammten ursprünglich aus dem Heiligen Land, bevor sie in Parthien Zwischenstation machten!

Die Bibel berichtet, dass sich das Königreich Israel nach dem Tode Salomos (um 926 v. Chr.) in das von Jerobeam I. regierte Nordreich Israel mit der Hauptstadt Samaria (das blau gefärbte Areal) und das Herrschaftsgebiet Rehabeams, des Königs von Juda, um die Hauptstadt Jerusalem (das ocker gefärbte Areal im Süden) auflöste.
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kingdoms_of_Israel_and_Judah_map_830.svg
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/bd/Kingdoms_of_Israel_and_Judah_map_830.svg
Oldtidens_Israel_&_Judea.svg: FinnWikiNoderivative work: Richardprins, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons

Insgesamt, so betont Collins, waren die Khazaren eine Mischung aus verschiedenen Völkern und ethnischen Gruppen. Unter Bezugnahme auf die Encyclopedia Britannica1Collins nach: Encyclopaedia Britannica, 1943 Ed., Vol. 13, unter Khazars, S. 362 hält er fest, dass einige Khazaren erstmal 198 n. Chr. in Armenien wahrgenommen wurden –28 Jahre vor dem Fall von Parthien. Auch die zehn angeblich verlorenen Stämme Israels hätten in Parthien gelebt, und die Flüchtlinge von dort seien es gewesen, die schließlich die Bevölkerungsmehrheit in Parthien stellten. Die khazarischen Herrscher konvertierten zum Judentum.

Doch auch jüdische Flüchtlinge hatten sich in dem Gebiet angesiedelt, dass später das Khazarenreich werden sollte. Collins zitiert aus The Universal Jewish Encyclopedia:

 “Vakhushtis Geschichte Georgiens informiert uns darüber, dass einer jüdischen Gesandtschaft, die nach der Zerstörung des Ersten Tempels in Jerusalem (586 v. Chr.) an den Prinzen von Mzchet appelliert hatte, die Erlaubnis erteilt wurde, sich am Stadtrand von Mzcheta niederzulassen.”2Collins nach: The Universal Jewish Encyclopedia, Vol. 8, unter “Mountain Jews,” S. 26

Verwaltungskarte des Südkaukasus (Transkaukasus). Links Schwarzes, rechts Kaspisches Meer.
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Soviet_Caucasus_map.svg
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/0b/Soviet_Caucasus_map.svg
Caucasiamapussr.gif: The original uploader was Artaxiad at English Wikipedia.Converting to SVG: Hellerick, CC BY-SA 3.0 <http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/>, via Wikimedia Commons,

Der Stamm Juda (Die Nachkommen von Juda, dem biblischen Sohn Jakobs, der der Thora zufolge später Israel genannt wurde)  begann sich demzufolge im Transkaukasus niederzulassen, seit Jerusalem an die Babylonier gefallen war, wie Collins feststellt. Die gleiche Quelle berichtet über viele weitere Wellen jüdischer Migration in diese Region, wie er weiter zu berichten weiß:

„Ein weiterer Zustrom jüdischer Flüchtlinge in verschiedene transkaukasische Regionen fand nach der Zerstörung des Zweiten Tempels in Jerusalem (70 n. Chr.) statt. Der Höhepunkt des Zustroms in den ersten Jahrhunderten des Christentums wird vom Chronisten Faustus von Byzanz (4. Jh. n. Chr.) bestätigt, der berichtet, dass die Perser unter König Sapor II (360 n. Chr.) in Armenien einmarschierten und mehr als 75.000 jüdische Gefangene – die Nachkommen derer, die zuvor aus Palästina in den Transkaukasus gekommen waren – mit sich nach Südpersien nahmen.“3Collins nach: The Universal Jewish Encyclopedia, Vol. 8, unter “Mountain Jews,” S. 26

Satellitenaufnahme des Kaukasus: im Norden Großer Kaukasus, im Süden Kleiner Kaukasus
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kaukasus.jpg
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/19/Kaukasus.jpg
NASA/MODIS – Jacques Descloitres, MODIS Land Rapid Response Team, Public domain, via Wikimedia Commons

Collins zufolge bemerkten die Juden, dass die Kaukasus-Region jahrhundertelang eine gastfreundliche Zuflucht waren, und viele von ihnen siedelten sich dort an. Von 700 v. Chr. bis mindestens zum 5. Jh. nach Chr. wurde es von zahlreichen Nachkommen der zehn Stämme Israels bewohnt, zu denen Collins auch Skythen, Iberer, Sacae und Goten zählt. Collins betont, dass die Juden, die dort lebten, aus Eretz Israel stammten; um anschließend wieder aus der Universal Jewish Encyclopedia zu zitieren:

“Anschließend schlossen sich ihnen [transkaukasischen Juden] andere Juden aus westlicheren Regionen an; aus Kleinasien, der Krimhalbinsel und insbesondere aus Byzanz (um den schweren Verfolgungen zu entkommen, die Kaiser Justinian im 6. Jh. n. Chr. erlitten hatte). Es ist offensichtlich … dass die jüdische Einwanderung in den Kaukasus nicht nur zu unterschiedlichen Zeiten, sondern auch aus unterschiedlichen Richtungen erfolgte. “4Collins nach: The Universal Jewish Encyclopedia, Vol. 8, unter “Mountain Jews,” S. 26

Weiterlesen

Buchbesprechung: Steven M. Collins: Parthia The Forgotten Ancient Superpower And Its Role in Biblical History

  • von Roland M. Horn

Steven M. Collins:

Parthia

The Forgotten Ancient Superpower And Its Role in Biblical History

Bible Blessings Royal Oak, Mi, 2004
ISBN: 0-9725849-2-7
Preis: $ 20.00
Pb, 256 Seiten, 100 s/w-Abb., Register

Steven M. Collins behauptet in diesem Buch, dass der Parther-Kultur eine weit größere Bedeutung zukommt, als es ihr von der offiziellen Wissenschaft zugestanden wird. Dies liegt seiner Meinung nach daran, dass man versucht, die Bibel aus der Wissenschaft zu verdrängen. Dazu muss gesagt werden, dass Collins ein Vertreter der sogenannten Two Houses Theology ist, die der Meinung ist, dass die zehn verlorenen Stämme Israels nicht wirklich verloren sind, sondern im Partherreich aufgingen und später zu einer Vielzahl von Nationen geworden sind. Für die Identität des Partherreichs als eine Quasi-Fortsetzung des Nordreichs Israel hat Collins aber nicht nur biblische Hinweise, sondern auch sehr beeindruckende außerbiblische Indizien vorzuweisen.

Collins‘ Grundaussage ist die, dass das Partherreich von ehemaligen Angehörigen des israelitischen Nordreichs gegründet wurde, die nach der Zeit der Verschleppung nach Assyrien nach Asien gezogen seien. Eine prominente parthische Sippe wurde “Suren Family” genannt, und eines ihrer Erbfolgerechte war es, parthische Könige zu krönen. Collins stellt klar, dass das Wort „Sur“ im Hebräischen „regieren“ oder „Prinzen werden“ („make princes“) beinhaltet. Angeführt wurden die Israeliten aus dem Nordreich durch die Nachkommen des Jakob-Enkels Ephraim. Der Name „Eranians“ bzw. „Iranians“ für ein Volk in MedoPersien – die beiden Begriffe sind Collins zufolge austauschbar – entspricht Collins zufolge dem exakten hebräischen Namen für eben Ephraim und ist die Grundlage für den modernen Begriff Iran. Die dem Stamm Ephraim Zugehörigen waren die israelitischen Verteidiger von Samaria, das 732 v. Chr. fiel. Sie wurden von den Assyrern nach Medo-Persien verschleppt, wo 247 v. Chr. das Partherreich entstand. Der parthische Kommandeur Osaces unter König Orodes ist Collins zufolge nach Abrahams Sohn und Jakobs (Israels) Vater Isaak benannt. Nach Isaak wurden Collins zufolge die skythischen „Sacae“ betitelt, die später in Richtung Norden zogen und heute noch unter dem Namen Saxons/Sachsen existieren. Dies entbehrt nicht einer gewissen Brisanz, da es nahelegt, dass die Sachsen und andere germanische Stämme (in seinem Buch Israel’s Tribes Today weist Collins auf die mit Parthien Verbündeten Carmanian bzw. Kerman – auch bekannt unter den Namen Germanii oder Germanioi hin!) letztlich Semiten waren – Semiten aus dem einst gereinigten Königreich Israel!

Die oft unter den Teppich gekehrte biblische Aussage, dass Jesus nur für die verlorenen Schafe des Hauses Israel gekommen ist, bezieht Collins in erster Linie auf die Parther, in deren Gebiet Petrus wirkte. Letztlich waren auch die „Heiligen drei Könige“ in Wirklichkeit eine weit größere Abordnung aus dem Partherreich gewesen, das den neugeborenen Messias, als Jude (die dem Israelischen Südreich entstammen) einem Nachfahren von König David und somit auch mit dem israelitischen Volk der Parther verwandt, huldigen wollte. Collins hat auch Quellen, aus denen hervorgeht, dass Jesus in seiner Jugendzeit in England, ja selbst Amerika wirkte, wohin die Nordstämme Israels ebenfalls gewandert waren.

Collins zufolge waren die Parther den Römern beinahe ebenbürtig, doch das ginge aus o. g. Gründen aus der gängigen historischen Literatur nicht hervor. Collins weist auf eine hohe Kulturstufe hin, die die Parther besaßen. Die interessanteste Errungenschaft ist dabei die besonders in grenzwissenschaftlichen Kreisen bekannte „Batterie von Bagdad“ bzw. „Parther-Batterie“. Wie passt eine solche Errungenschaft in die damalige Zeit und jene Kultur? Also besser wegdiskutieren! Ein bekannter deutscher Physiker sagte einmal sinngemäß: „Damals kann es keine Batterie gegeben haben, weil es damals keinen Strom gab.“ Ernstzunehmenden Quellen zufolge existierte diese Batterie jedoch wirklich und diente vermutlich zur mit Schwachstrom herbeigeführten Lokalanästhesie (Elektroanästhesie), wie sie in der Neuzeit im Rahmen der „transkutanen elektrischen Nervenstimulation (TENS)“ Verwendung findet. Eine Nutzung der Batterie zur Galvanotechnik scheint unwahrscheinlicher.

So unwahrscheinlich das Ganze auch klingen mag, sind Collins’ Annahmen (zumindest die, die sich direkt auf die Parther beziehen), von denen im Rahmen dieser Rezension nur die markantesten erwähnt werden konnten, sehr gut belegt! Collins kann auch mit anerkannten Geschichtsschreibern wie Flavius Josephus und Plutarch sowie der Encyclopedia Britannica als Quellen aufwarten.

Das Buch als „empfehlenswert“ einzustufen, wäre eine gravierende Untertreibung! Ärgerlich ist nur, dass für den Transport nach Europa ungewöhnlich hohe Versandkosten anfallen.

(Erstveröffentlichung auf Atlantisforschung.de)

Bestellmöglichkeiten:
Bei Amazon.de
Beim Verlag