Juden und Evangelikale: Es ist kompliziert

* von Victor Rosenthal

Ich habe einen großen Teil meines Lebens außerhalb der jüdischen Blase verbracht. Ich habe viele evangelikale Christen gekannt, und einige von ihnen waren gute Freunde. Daher war ich nicht überrascht, von „God TV“ und seinem Versuch zu hören, einen hebräischsprachigen Fernsehkanal bei HOT, Israels größtem Kabelanbieter, zu initiieren, was anscheinend ein unerschrockener Versuch war „Das Evangelium Jesu Christi – Jeschua der Messias – in Israel im Kabelfernsehen in hebräischer Sprache übertragen“ (Video hier). Der Kanal heißt “Shelanu” [unser], um uns daran zu erinnern, dass Jesus einer von uns war, ein Jude – als ob dies ein Argument für Juden wäre, das Christentum anzunehmen!

Viele Israelis und Juden sind empört über die Missionstätigkeit, die sich gegen uns richtet. Aus unserer Sicht ist es zutiefst beleidigend. Wie können sie es wagen, das Judentum zu untergraben, insbesondere angesichts der Geschichte des christlichen (katholischen, orthodoxen und protestantischen) Judenhasses? Die Quelle allen Antisemitismus ist wohl die Reaktion von Nichtjuden – Führern der frühen Kirche, Mohammed, Martin Luther, der Inquisition usw. – auf die hartnäckige Weigerung der Juden, ihre traditionellen Überzeugungen und Rituale durch die „besseren“ zu ersetzen, die von den verschiedenen religiösen Innovatoren vorgeschlagen wurden. Deshalb lehnen wir moderne Versuche, uns zu bekehren, vehement ab.

Juden beurteilen diejenigen, die andere Glaubensrichtungen praktizieren, im Allgemeinen nicht (sie sind darauf spezialisiert, andere Juden zu kritisieren). Wir gehen nicht herum und erzählen Christen, dass sie Götzendienst praktizieren, noch greifen wir Hindus wegen ihres Polytheismus an. In der Neuzeit betreiben die meisten Stämme des Judentums keine Missionierung. Und so haben wir wenig Geduld, wenn es an uns gerichtet ist.

Die rechtliche Diskussion darüber, ob der Kanal zugelassen werden soll, wird interessant sein. Israel hat Religionsfreiheit, wie es in der Unabhängigkeitserklärung angegeben ist. Die Gerichte haben das Recht auf freie Meinungsäußerung religiöser Überzeugungen auf der Grundlage des Grundgesetzes: Menschenwürde und Freiheit gewahrt. Es gibt jedoch Gesetze, die es jedem verbieten, jemandem materiellen Nutzen für den Religionswechsel zu bieten und Versuche, eine Person unter 18 Jahren zum Religionswechsel zu überreden. Touristen können daran gehindert werden, ins Land einzureisen oder sogar wegen missionarischer Aktivitäten abgeschoben werden.

Religiöse Sendungen im Fernsehen sind erlaubt. Theoretisch sogar missionarische Programmgestaltung. Wenn jedoch festgestellt wird, dass es junge Menschen beeinflussen kann, ist dies möglicherweise nicht zulässig.

„Juden und Evangelikale: Es ist kompliziert“ weiterlesen

Bernd Lucke an Universität Hamburg niedergebrüllt

* übernommen von Tapfer im Nirgendwo

„Wenn wir es zulassen oder gutheißen, dass Menschen mit Gewalt aus dem Diskurs entfernt werden und mögen ihre Aussagen auch noch so verabscheuenswert sein, glaub‘ mir Gerd, dann sind wir Juden die Nächsten.“

Das sind die Worte meines Gastvaters Jim Davidson. Ich habe ihm einiges zu verdanken. Die Gespräche mit ihm haben mich geprägt. Er ist erfolgreicher Jurist in den Vereinigten Staaten von Amerika. Er erzählte mir von einer Demonstration der Nationalsozialistischen Partei Amerikas, die im Jahr 1977 in der amerikanischen Kleinstadt Skokie in der Nähe von Chicago stattgefunden hatte. Die Nazis hatten den Ort bewusst ausgesucht, denn dort lebte damals eine sehr große jüdische Gemeinde. Viele hatten den Holocaust überlebt.

Jim hatte damals das Recht der Nazis auf freie Meinung verteidigt, obwohl er Familienmitglieder im Holocaust verloren hatte. Er war fest davon überzeugt, dass das Recht auf freie Meinung höchste Priorität habe, da nicht die abscheuliche Meinung der Nazis das eigentliche Problem gewesen sei, sondern die brutale Unterdrückung aller anderen Meinungen, die die Ideologie der Nazis hätte in Frage stellen können, wären sie nicht verboten gewesen. Jim war der Ansicht, nicht die Meinungsfreiheit habe die Juden entrechtet, sondern die Einschränkung der Meinungsfreiheit durch die Nazis.

Am 16. Oktober 2019 sollte an der Hamburger Universität eine Vorlesung von Bernd Lucke zur Makroökonomik stattfinden. Da der Professor einst AfD-Mitglied war, fühlten sich mehrere Studentinnen und Studenten berechtigt, die Vorlesung zu stören. Einige riefen „Nazi-Schweine raus aus der Uni!“ Andere brüllten: „Verpiss dich, hau ab!“ Von einem Studenten wurde Bernd Lucke sogar körperlich angegangen. Nachdem Bernd Lucke seinen Platz hinter dem Pult verlassen hatte, nahm er im Plenum Platz. Dort wurde er mit Papierkügelchen beworfen. Die Vorlesung wurde schließlich abgebrochen. Gegen 14 Uhr verließ Bernd Lucke unter Polizeigeleit das Uni-Gelände.

„Bernd Lucke an Universität Hamburg niedergebrüllt“ weiterlesen

Bier mit Stern

übernommen von Tapfer im Nirgendwo

Das offizielle Symbol der Brauer ist der Davidstern. In der brauenden Zunft wird er allerdings Brauerstern genannt. Er ist auf vielen Bierdeckeln und in vielen Bierhäusern zu finden. In Köln zum Beispiel steht das Brauhaus Em Golde Kappes. Über dem Eingang hängt voller Stolz ein Davidstern.

Wenn man in Deutschland ein schönes Haus mit Davidstern versehen sieht, ist es entweder eine Synagoge oder eine Brauerei. Man muss schon hineingehen, um herauszufinden, was es ist. Sind die Leute im Inneren des Gebäudes betrunken, handelt es sich vermutlich um ein Brauhaus oder um eine Synagoge zu Purim. Um ganz sicher zu gehen, sollte man schauen, ob sich vor dem Gebäude ein Polizeiauto befindet. Ist dem so, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine Synagoge.

Zur Herkunft des Brauersterns gibt es verschiedene Hypothesen. Manche glauben, die zwei Dreiecke symbolisierten die zum Bierbrauen notwendigen Stoffe Feuer und Wasser. Andere vermuten, das eine Dreieck stehe für die zum Brauen wichtigen Elemente Feuer, Wasser und Luft, während das andere Dreieck für die im Mittelalter bekannten Zutaten Wasser, Malz und Hopfen stehe. Wieder andere weisen darauf hin, dass das Hexagramm als ein Schutzsymbol gegen Feuer und Dämonen benutzt wurde und da die Brandgefahr eine der größten Bedrohungen des Bierbrauen war, der Brauerstern vermutlich Feuerunheil vom Brauhaus abwenden sollte.

Was immer die Herkunft sein mag, Bier ist ein Getränk, das bereits seit über 12.000 Jahren hergestellt wird. Raten Sie mal wo.

Frühe archäologische Funde zeigen, dass Bier seinen Ursprung im sogenannten fruchtbaren Halbmond hat. In dieser Region befinden sich heute Israel, Syrien, Jordanien, der Libanon und der Irak. Einst wurde dort gern und viel Bier konsumiert. Dann aber kam Mohammed und verteufelte das Bier. Seit Mohammed ergeht es dem Bier in den Ländern des fruchtbaren Halbmonds schlecht. In einem Land des fruchtbaren Halbmonds geht es dem Bier heute jedoch ausgezeichnet. Es ist zufälligerweise das Land, das den Brauerstern auf der Landesfahne hat: Israel!

In diesem Sinne Prost und L’Chaim.