Vor 55 Jahren: Der Sechstage-Krieg und seine Folgen

Die Entdeckung des „Palästinensertums“

Dieser Monat vor 55 Jahren muss als eine der ruhmreichsten Zeiten in die Annalen der jüdischen Geschichte eingehen. Es war der Sechstage-Krieg, der am 5. Juni 1967 begann. Weniger als eine Woche später war der Krieg vorbei. Die arabischen Staaten Ägypten, Jordanien und Syrien wurden besiegt. Militärkontingente aus dem Irak, Marokko und Saudi-Arabien erlitten schwere Verluste. Ägypten verlor die gesamte Halbinsel Sinai und den Gazastreifen. Jordanien, das nach dem Krieg von 1948 die Altstadt Jerusalems und die Westbank (Judäa und Samaria) annektierte, verlor diese Gebiete jetzt. Das Regime in Damaskus nutzte die strategischen Golanhöhen, um israelische Kibbuzim am See Genezareth zu beschießen, auf israelische Bauern zu schießen und jetzt waren die Golanhöhen in israelischer Hand. Israel wurde über Nacht territorial, was aber noch bedeutender war, in Sachen nationaler Stimmung umgestaltet. Das Land wandelte sich von der Untergangsstimmung, die vor dem Krieg herrschte, in Euphorie und Jubel. Gott hatte wieder einmal für sein Volk ein Wunder vollbracht.

Doch mit der Herrlichkeit des Anlasses kamen die Konsequenzen des unglaublichen israelischen Sieges. Eine neue Realität entstand, die ein Zeitalter des Terrors und der Instabilität hervorbrachte. Der Sechstage-Krieg ließ unvorhergesehene Entwicklungen aufkommen, darunter die Erschaffung des „Palästinensertums“. Der Schock, den die arabische Welt nach dem Sechstage-Krieg empfand und das Ausmaß der arabischen Niederlage durch die „verachteten und schwachen Juden“ war für das arabische Gemüt zutiefst erniedrigend. Sie beschleunigte den Untergang von „Nasserismus“, Pan-Arabismus und arabischem Nationalismus als vorherrschender Ideologien in der arabischen Welt. Der Krieg diskreditierte die säkularen arabischen Regierungen und trug zum Aufstieg des politischen Islam bei.

Gamal Abdel Nasser, der ägyptische Diktator und Held der arabischen Massen, der im Mai 1967 mit der „Liquidierung der zionistischen Gefahr“ prahlte, erlitt eine persönlich demütigende Niederlage. Er versuchte seinen Ruf zu retten, indem er für die arabische Niederlage das Eingreifen Amerikas und der Briten zugunsten Israels verantwortlich machte, eine absolute Lüge. Aber er konnte die Lügen nicht zurücknehmen, die er König Hussein und dem ägyptischen Volk über Siege über die Israelis auf dem Schlachtfeld erzählt hatte und dass seine Luftwaffe israelische Ziele angegriffen habe. Nach dem Sechstage-Krieg waren daher die Araber der Westbank und des Gazastreifens selbst dafür verantwortlich ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen…

Vor dem Sechstage-Krieg waren die Identitäten der Araber der Westbank und des Gazastreifens nicht als Palästinenser bekannt. Der Begriff Palästinenser wurde erst übernommen, nachdem Israel die Kontrolle über diese Gebiete übernahm. Araber der Westbank und des Gazastreifens waren vorher Jordanier bzw. Ägypter. Die arabische Welt verlor die Hoffnung auf die Fähigkeit seiner Armeen den jüdischen Staat zu vernichten und Palästina für die arabische Sache wiederzugewinnen. Für Anwar Sadat, der 1970 Nasser als Präsident Ägyptens ersetzte, war die Wiedererlangung der Halbinsel Sinai der Hauptgrund für den Yom Kippur-Krieg. Ägypten hatte im Oktober 1973 nicht vor Israel zu vernichten, sondern den arabischen Stolz wiederzugewinnen. Schließlich schloss Sadat Frieden mit Israel, weil er erkannte, dass Israel nicht zu beseitigen war. Das ist vielleicht eines der wichtigsten Vermächtnisse des Sechstage-Kriegs.

Palästina wiederzugewinnen wurde nach dem Sechstage-Krieg den Arabern Palästinas übergeben. Um ihren Kampf gegen Israel zu legitimieren agierte die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) außerhalb Israels, der Westbank und des Gazastreifens, musste ein Narrativ erfinden, das ihnen eine Rechtfertigung bietet das Land zu beanspruchen und Israel zu verdrängen. Um der Vorstellung von „Palästinensertum“ Substanz zu verleihen und ihr historisches Palästina zu beanspruchen, behaupteten sie, dass sie die Nachkommen der antiken Kanaaniter seien. Eine absurde Behauptung, weil die meisten Araber, die in Palästina leben, aus anderen arabischen Ländern zuwanderten und viele sich während der muslimischen Eroberung des Landes durch Kalif Omar 637 n.Chr. dort niederließen. Einige arabische Palästinenser haben behauptet, dass die Jebusiter ihre Vorfahren seien, obwohl es keinerlei glaubwürdige wissenschaftliche Beweise dafür gibt. Mit fingierten Behauptungen dieser Art hofften sie eindeutig die internationale Gemeinschaft zu überzeugen, dass Israel und Jerusalem „rechtmäßig“ ihnen gehören.

König David machte Jerusalem zu seiner Hauptstadt; daher wurde sie Stadt Davids genannt. Sein Sohn Salomo baute dort den Tempel. In der Bibel wird der Name Zion für die Stadt Jerusalem verwendet und das ist die Quelle des Begriffs Zionismus, die die jüdische Nationalbewegung ist, die Ende des 19. Jahrhunderts gegründet und von Theodor Herzl geleitet wurde. Der Beiklang des Namens drückt Jahrtausende Sehnsucht der Juden, nach der Vertreibung der Juden aus dem Land Israel durch die Römer nach Zion – Jerusalem – zurückzukehren.

Um ihre Legitimität über das Land Israel zu etablieren und die historische jüdische Präsenz dort auszulöschen, haben die Araber vorsätzlich archäologische Artefakte zerstört, die bis in biblische Zeiten zurückreichen; in diesem Prozess zerstörten sie Artefakte aus der Zeit der Kanaaniter. Das gewohnheitsmäßige Leugnen von Geschichte seitens der Führung der palästinensischen Araber ist einem Friedensschluss mit Israel abträglich. Genauer gesagt behauptet der palästinensische öffentliche Diskurs, der jüdische Tempel habe nie existiert. Sie lehnen es ab die allgemein anerkannte Geschichte der Stadt Jerusalem sowie des Restes des Landes einzuräumen, geschweige denn zu tolerieren.

Obwohl die Araber Palästinas dieselbe arabische Sprache sprechen wie die Araber in ihren Nachbarstraßen, dieselbe Religion haben – den sunnitischen Islam – und Teil derselben Kultur sind, entdeckten sie nach dem 10. Juni 1967 plötzlich ihr angeblich ausgeprägtes „Palästinensertum“. Sie forderten fortan, dass die arabischen Staaten sie als solche anerkennen. Die arabischen Staaten kamen dem sehr freudig nach und waren damit die palästinensische Last los. Einige arabische Staaten wie der Irak und Syrien nutzen die arabischen Palästinenser als Terrormittel gegen Israel. Man kann sicher sagen, dass es ohne den Sechstage-Krieg kein „Palästinensertum“ gegeben hätte. Araber der Westbank wären Jordanier und Araber aus dem Gazastreifen Ägypter geblieben.

Ein wichtiges Ergebnis des Krieges war, dass der UNO-Sicherheitsrat die Resolution 242 annahm, die auch als „Land für Frieden“ bekannt ist. Das war eine Abkehr von früheren Fällen, bei denen Israel sich aus erobertem Gebiet zurückzog, wie es nach dem Sinai-Feldzug 1956 der Fall war, als Israel den Ägyptern Land gab (den ganzen Sinai), ohne Frieden zu bekommen. Genauso zogen sich die israelischen Streitkräfte 1949 aus dem Sinai zurück, ohne Anerkennung von Kairo zu erhalten. Der israelische Historiker Benny Morris hat geschrieben: „Die Israelis hatten endlich etwas, das sie den Arabern im Tausch für Frieden geben konnten.

Schließlich erkannten die USA nach dem Sechstage-Krieg Israels Wert als strategischen Partner an. Das führte zu einer amerikanischen Nahost-Politik, die sich darauf konzentrierte die Sowjetunion in der Region einzudämmen, womit sichergestellt wurde, dass das Öl zu vernünftigen Preisen fließt und Israel geschützt wird. Weil der französische Präsident Charles de Gaulle kurz nach dem Krieg ein Waffenembargo gegen Israel verhängte (für Waffen, die von Israel bereits bezahlt waren), wurden die USA zu Israels wichtigstem Waffenlieferanten. Großbritannien zog sich in den 1960-er Jahren aus der Region zurück, schaffte damit ein Vakuum, das die USA letztlich mit Hilfe eines verlässlichen Israel füllten.

Es liegt immer noch einige Distanz zwischen Israel unfassbarem Sieg und einem umfassenden Frieden. Trotzdem säte der Sechstage-Krieg die Samen für den aktuellen Frieden mit sechs arabischen Staaten.

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