Ein hochrangiger Vertreter der Revolutionsgarden erklärt im iranischen Staatsfernsehen, die Basij solle erstmals weltweit operieren. Mohammad Reza Naqdi droht zugleich amerikanischen Interessen rund um den Globus und kündigt einen jahrelangen Raketenkrieg an.

Das iranische Regime spricht inzwischen erstaunlich offen darüber, seinen Krieg über die Grenzen Irans hinauszutragen. Mohammad Reza Naqdi, ein hochrangiger Vertreter der Islamischen Revolutionsgarden, erklärte im iranischen Staatsfernsehen, die Basij Bewegung sei erstmals angewiesen worden, ihre Aktivitäten weltweit auszuweiten. Die Islamische Republik verfüge überall auf der Welt über Unterstützer, auf die sie im Konflikt mit ihren Gegnern zurückgreifen könne.

Die Aussagen stammen aus einem Interview, das am 11. August 2026 auf dem staatlichen Sender IRINN TV ausgestrahlt wurde. Das Middle East Media Research Institute, MEMRI, veröffentlichte Ausschnitte mit englischer Übersetzung. Naqdi beschreibt darin ausdrücklich einen strategischen Wechsel. Iran dürfe sich nicht darauf beschränken, das eigene Staatsgebiet zu verteidigen. Die iranischen Kräfte müssten vielmehr dazu in der Lage sein, Operationen in das Gebiet des Gegners zu tragen und weit entfernt von Iran tätig zu werden.

Nach Naqdis Darstellung sei genau dies der Kern einer neuen offensiven Doktrin.

Die Aussage erhält zusätzliche Bedeutung, weil Naqdi die Basij ausdrücklich in diesen Zusammenhang stellt. Die Basij ist keine private politische Bewegung. Sie gehört zur Struktur der Revolutionsgarden. Auch die britische Regierung führt sie als einen der Hauptbestandteile des IRGC auf. Großbritannien stufte die Revolutionsgarden im Juli 2026 unter seinen neuen Befugnissen gegen staatliche Bedrohungen als Gefahr für die nationale Sicherheit ein. Die britische Regierung verweist dabei ausdrücklich auf weltweite verdeckte Netzwerke der Quds-Einheit und auf die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Teile der Revolutionsgarden.

Naqdis Botschaft ist deshalb schwer als bloße innenpolitische Durchhalteparole abzutun.

Er spricht nicht nur über die Verteidigung Irans. Er spricht über weltweite Operationsfähigkeit.

Besonders deutlich wird dies am Ende des Interviews. Naqdi kündigt an, Iran werde seine Raketenproduktion selbst dann fortsetzen, wenn der Krieg noch Jahre dauere. Bis zum letzten Tag würden iranische Raketen auf den Gegner niedergehen. Noch brisanter ist seine anschließende Aussage für den Fall, dass Iran irgendwann tatsächlich keine Raketen oder Drohnen mehr besitzen sollte.

Dann, so Naqdi sinngemäß nach der von MEMRI veröffentlichten Übersetzung, werde die Situation für den Gegner sogar gefährlicher. Weltweit gebe es hoch motivierte Menschen, die dazu fähig seien, amerikanische Interessen in Brand zu setzen und zu zerstören.

Damit beschreibt ein hochrangiger Vertreter der Revolutionsgarden öffentlich ein Szenario, in dem Unterstützer der Islamischen Republik außerhalb Irans gegen amerikanische Ziele eingesetzt werden könnten.

Das ist gerade im Jahr 2026 keine theoretische Warnung.

24 Staaten, darunter Deutschland, die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich, Italien und Australien, veröffentlichten im Juni eine gemeinsame Erklärung zu iranischen staatlichen Bedrohungen. Darin verurteilten sie tödliche Anschlagsplanungen und andere feindliche Aktivitäten der Nachrichtendienste der Revolutionsgarden, der Quds-Einheit und des iranischen Geheimdienstes in Europa, Nordamerika und Australien. Als Ziele nannten die Staaten ausdrücklich iranische Dissidenten, Journalisten sowie jüdische und israelische Einrichtungen und Interessen.

Auch amerikanische Ermittlungsakten zeigen, warum Naqdis Worte ernst genommen werden müssen. Das US-Justizministerium erhob im Mai Anklage gegen den iranisch irakischen Staatsbürger Mohammad Baqer Saad Dawood Al Saadi. Ihm wird vorgeworfen, als Operativer der irakischen Kataib Hisbollah und der iranischen Revolutionsgarden an nahezu 20 Anschlägen und Anschlagsversuchen in Europa und den Vereinigten Staaten beteiligt gewesen zu sein. Die Vorwürfe sind bislang nicht rechtskräftig bewiesen. Nach Angaben der amerikanischen Ermittler soll Al Saadi unter anderem Angriffe auf jüdische Einrichtungen in New York, Los Angeles und Scottsdale vorbereitet und andere zur Ermordung von Amerikanern und Juden aufgerufen haben.

Die britische Regierung ging im Juli noch weiter. Sie warf der Quds-Einheit der Revolutionsgarden vor, Stellvertretergruppen bei einer Serie von Angriffen in Europa zwischen März und Mai gesteuert zu haben. London bestellte deshalb den iranischen Geschäftsträger ein.

Vor diesem Hintergrund bekommt Naqdis Ankündigung einer weltweiten Expansion der Basij eine andere Qualität.

Iran verfügt seit Jahren über eine Strategie, bei der direkte staatliche Strukturen, verbündete Milizen, lokale Unterstützer und verdeckte Netzwerke miteinander verbunden werden. Die Quds-Einheit ist der Teil der Revolutionsgarden, dessen zentrale Aufgabe Operationen außerhalb Irans sind. Nun erklärt Naqdi öffentlich, auch die Basij-Bewegung solle erstmals weltweit expandieren.

Das könnte eine erhebliche strategische Verschiebung bedeuten.

Dabei muss sauber zwischen Naqdis Ankündigung und tatsächlich nachgewiesenen neuen Basij Strukturen im Ausland unterschieden werden. Aus seinem Fernsehinterview lässt sich noch nicht ableiten, in welchen Staaten solche Strukturen aufgebaut werden sollen, wie ihre Befehlswege aussehen oder ob konkrete Operationen bereits begonnen haben. Ebenso wäre es unseriös, jeden Unterstützer der Islamischen Republik im Ausland automatisch als Mitglied eines iranischen Terrornetzwerks zu bezeichnen.

Doch die Aussage selbst ist eindeutig genug.

Ein führender Vertreter der Revolutionsgarden sagt, die Basij solle weltweit expandieren. Er erklärt, Iran müsse weit entfernt vom eigenen Territorium operieren können. Und er verbindet diese Strategie ausdrücklich mit Menschen, die amerikanische Interessen weltweit angreifen könnten.

Naqdi begründet die neue offensive Ausrichtung zudem mit dem Tod des früheren Obersten Führers Ali Khamenei. Dieser wurde am 28. Februar bei den amerikanisch israelischen Angriffen auf Iran getötet. Iranische Staatsmedien bestätigten seinen Tod Anfang März. Sein Sohn Mojtaba Khamenei folgte ihm als Oberster Führer nach.

Naqdi erklärt nun, bloße Verteidigung reiche der iranischen Bevölkerung nach dem Tod Ali Khameneis nicht aus. Die Menschen verlangten Vergeltung.

Diese Darstellung ist natürlich die politische Interpretation eines Regimevertreters und keine unabhängige Aussage darüber, was die iranische Bevölkerung tatsächlich fordert. Aber sie zeigt, wie die Revolutionsgarden den Tod Khameneis benutzen, um eine offensivere Strategie ideologisch zu begründen.

Auch Naqdis persönliche Vergangenheit macht seine Aussagen bemerkenswert. Bereits Jahre vor dem aktuellen Krieg trat er mit extremen Drohungen gegen Israel hervor. MEMRI dokumentierte 2018 eine Rede, in der Naqdi die Vernichtung Israels forderte und mit Angriffen auf amerikanische Stützpunkte in der Region drohte. Frühere Berichte dokumentierten außerdem seine Vorstellung einer iranischen und von der Basij getragenen Präsenz außerhalb der Landesgrenzen.

Neu ist deshalb weniger die Ideologie.

Neu ist die Offenheit, mit der eine weltweite Ausweitung der Basij nun als aktueller strategischer Auftrag beschrieben wird.

Das amerikanische Finanzministerium geht parallel weiter gegen internationale Netzwerke der Revolutionsgarden vor. Erst am 15. Juli verhängte Washington Sanktionen gegen ein Beschaffungsnetzwerk, das nach Angaben des Ministeriums ausländische Transportfirmen, Finanzkanäle und weitere Strukturen nutzte, um Material und Personal für das IRGC weltweit zu bewegen.

Die Basij selbst besitzt ebenfalls seit langem wirtschaftliche und organisatorische Strukturen. Das US-Finanzministerium sanktionierte bereits 2018 ein umfangreiches Firmennetzwerk, das die paramilitärische Organisation finanziell unterstützt. Washington bezeichnete die Basij damals ausdrücklich als den Revolutionsgarden unterstellte paramilitärische Kraft.

All das macht Naqdis Fernsehauftritt zu mehr als einer weiteren iranischen Drohrede.

Teheran sagt seinen Gegnern öffentlich, wie es den nächsten Abschnitt des Konflikts denkt: Raketenproduktion im eigenen Land, offensive Operationen außerhalb des iranischen Staatsgebietes und die Mobilisierung von Unterstützern rund um den Globus.

Vor allem für jüdische und israelische Einrichtungen in Europa und Nordamerika darf diese Botschaft nicht ignoriert werden. Westliche Regierungen warnen bereits vor iranisch gesteuerten Netzwerken, und amerikanische Strafverfolger untersuchen konkrete Anschlagsplanungen. Wenn ein hoher Vertreter der Revolutionsgarden nun zusätzlich erklärt, die Basij solle weltweit expandieren, ist erhöhte Aufmerksamkeit keine Panikmache.

Sie ist eine Konsequenz aus dem, was das iranische Regime selbst sagt.

Iran droht damit nicht mehr nur aus Teheran.

Die Revolutionsgarden sprechen offen davon, den Kampf in die Welt hinauszutragen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen